Balkon.Solar e.V. Vorstandsbericht 2025

Vorwort

Das Jahr 2025 stand im Zeichen der neuen Steckersolar-Norm sowie unserer zweiten Petition zur netzdientlichen Nutzung von Kleinspeichern.

Die neue Steckersolar-Norm, für die wir mehrfach konstruktiv Inhalte gegeben haben, ist erschienen.

Daneben hat sich der Verein auf vielfältige Weise eingebracht und zahlreiche Aktionen durchgeführt, etwa Steckersolar Upcycling-Aktionen, Vorträge oder politische Arbeit geleistet.

Ein Schwerpunkt war die Beratung von Mieter:innen vor und in Gerichtsverfahren um die Nutzung ihres Steckersolargerätes. Unsere Urteilssammlung auf der Website wird häufig frequentiert und zu Rate gezogen.

Auch im kommenden Jahr planen wir, diese und weitere Arbeit fortzusetzen.

Sebastian Müller und Simone Herpich

Neue Satzung

Der Balkon.Solar e.V. arbeitet an einer neuen Satzung. Diese soll die Aufgaben und die Ausrichtung des Vereins klarstellen, die Gemeinnützigkeit besser definieren und dazu dienen, die Arbeit und Struktur des Vereins zu professionalisieren. Dies kann unter anderem durch die Möglichkeit verbessert werden, bezahltes Personal zu beschäftigen, da der Arbeitsaufwand von Jahr zu Jahr umfangreicher wurde.

Der Entwurf ist inzwischen fertiggestellt und vom Finanzamt geprüft. Er liegt den Mitgliedern vor.

Am 5.5.2026 soll eine Mitgliederversammlung durchgeführt werden, in der die Mitgliederversammlung die neue Satzung beschließen soll. 

Neue digitale Medien

Gefördert von der Baden-Württemberg-Stiftung haben wir nun einen TikTok-Kanal, auf dem wir eine jüngere Zielgruppe erreichen können. Die Inhalte verwenden wir sowohl dort als auch auf Instagram und Youtube und in anderen sozialen Medien.

Die erstellten Inhalte sind somit über eine Vielzahl von Medien zugänglich und wir sind nicht auf ein (kommerzielles) Online-Medium angewiesen.

Wir freuen uns, wenn die Mitglieder sich bei diesem Kanal und den Videos beteiligen oder auch über Vorschläge für Inhalte und Themen.

Neue Steckersolar-Norm

Die Arbeit an der neuen Steckersolar-Norm zog sich durch das ganze Jahr. Zum einen haben wir mehrfach konstruktiv Input gegeben, zum anderen haben wir direkt nach dem Erscheinen der Norm einen umfangreichen Artikel auf unserer Website publiziert. Dieser Artikel erhielt eine sehr große Aufmerksamkeit, was wir an der Anzahl an Aufrufen sehen können.

Die DIN VDE V 0126‑95 („Steckersolargeräte für Netzparallelbetrieb“) wurde am 14.11.2025 veröffentlicht. Demnach ist der Schuko-Stecker bei Steckersolargeräten erlaubt: Solaranlagen mit bis zu 960 Wp Modulleistung dürfen künftig über einen normalen Haushalts-(Schuko)-Stecker betrieben werden. Höhere Leistung ist mit einem Spezialstecker möglich: Wird ein spezieller Energiestecker (z. B. ein klassischer Wieland-Stecker) verwendet, sind Anlagen mit bis zu 2.000 Wp Modulleistung zulässig. Die Norm legt eine Reihe von Anforderungen fest – sowohl technisch, als auch bezüglich Dokumentation und Sicherheit. 

Auch unserer Kritik ist deutlich geworden, etwa in der Pressemitteilung zur Norm.

Wir arbeiten weiterhin daran, die Norm auch für Second-Life Systeme anwendbar zu machen bzw. die Vorgaben in unseren Seminaren umzusetzen und weiterzugeben. Darüber hinaus arbeiten wir an einem Forschungsprojekt zur (Nicht-) Notwendigkeit von Gleichstromsteckern desselben Fabrikats. 

IEC-Norm

Der Balkon.Solar e.V. hat in Bezug auf die geplante International Electrotechnical Commission (IEC)-Norm / nationale Normung unternommen:

  • Beim offiziellen Einspruchs-Hörtermin am 24.10.2025 zur vorgeschlagenen Anschlussnorm IEC 60364‑7‑751 waren insgesamt 1.700 Einsprechende geladen. Hierzu haben wir zur Teilnahme aufgerufen und mit Presse- und Öffentlichkeitsarbeit unterstützt.
  • Wir waren vor Ort (gemeinsam mit weiteren Einsprechenden) und haben unsere Kritik eingebracht. Insbesondere, dass ein Verbot der Nutzung von „normalen“ Steckdosen (Schuko) für Plug-In-Solargeräte massive Hürden für Balkonsolar schaffen würde. 
  • Zusammen mit dem Bundesverband Steckersolar, mehreren Unternehmen der Branche und weiteren Partner*innen haben wir ein gemeinsames Thesenpapier veröffentlicht, das warnend auf die Folgen der IEC-Norm hinweist und Alternativen bzw. einen Erhalt der bisherigen praxisgerechten Anschlusspraktiken fordert
  • Im Ergebnis der Anhörung und Normungsdiskussion zeigt sich, dass unser Engagement Wirkung hatte: Offenbar wird der nationale Standard für Steckersolargeräte (siehe neue DIN VDE 0126‑95) so gestaltet, dass Steckersolar mit modifizierten Schuko-Steckern unter bestimmten Bedingungen weiter möglich bleiben soll — trotz der internationalen IEC-Diskussion.

BalkonSonne App

Die BalkonSonne App, die wir gemeinsam mit PlanB Berlin finanziert haben, ist seit dem 05.02.2025 online. Die Web-App (ohne Installation, funktioniert direkt im Browser) ermöglicht Nutzer*innen auf einfache Weise zu prüfen, ob sich für ihren Balkon ein Plug-In-Solar-System lohnt. Man benötigt lediglich Angaben zu Ausrichtung, Umgebung und den Sonneneinfall. 

Auch hier ist im kommenden Jahr eine Weiterentwicklung angedacht, falls wir die notwendige Finanzierung (ca. 4.000 EUR) akquirieren können. 

Zweite Petition / Kleinspeicher entfesseln

Die Petition fordert, die Nutzung von kleinen Hausspeichern (sogenannten Kleinspeichern bzw. Steckerspeichern) deutlich zu erleichtern und sie als festen Baustein der Energiewende zu verankern. Kleinspeicher sollen außerdem regulativ gleichgestellt werden mit Steckersolargeräten, damit Anmeldung, Einspeiseleistung und bürokratische Anforderungen niedriger und einfacher werden. Ergänzend fordert die Petition freiwillige, variable Netzentgelte und transparente Strom- und Netzentgeltstrukturen. Dadurch wird netzdienliches Speichern wirtschaftlich attraktiv und der Strompreis orientiert sich stärker an tatsächlicher Netzlast. 

Der Start der Online-Mitzeichnungsphase war der 27. Februar 2025, die Zahl der Unterzeichnenden lag bei 39.490.

Bericht zur Anhörung im Petitionsausschuss.

Zusammen mit dem Bundesverband Steckersolar haben wir eine Gruppe gebildet, die auch weiterhin mit relevanten Abgeordneten des Bundestags in Kontakt steht und die Umsetzung vorantreibt. Wir hoffen, dass unsere Anliegen so in einer der kommenden Novellen des EnWG oder EEG berücksichtigt werden. 

Speicher für Steckersolar

Auch sonst haben wir das Thema Speicher für Steckersolar umfassend bearbeitet: 

Mit Unterstützung der Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) haben wir ein Forschungs- und Fördervorhaben gestartet, das untersucht, unter welchen regulatorischen, technischen und praktischen Bedingungen Kleinspeicher, also möglichst kompakte Batteriespeicher für Balkonsolaranlagen, netzdienlich betrieben werden können.

Ein Ergebnis war unter anderem dieser Artikel mit Forderungen, die daraufhin in die inhaltliche Gestaltung der o.g. Petition einfließen konnten. 

Im Artikel „Für wen lohnt sich ein Steckerspeicher?“ wird deutlich, dass ein solcher Speicher wirtschaftlich vor allem dann sinnvoll ist, wenn Haushalt und Solaranlage genug Strombedarf bzw. -erzeugung aufweisen. Je höher Verbrauch und Modulanzahl, desto schneller amortisiert sich der Speicher.

Umwelthilfe Engagementpreis 

Wir wurden eingeladen, unseren Vorstand Sebastian Müller für den Engagementpreis der Umwelthilfe vorzuschlagen. Gewonnen haben wir den mit 50.000 Euro dotierten Preis leider nicht, aber es ist trotzdem ein Zeichen für die Wertschätzung unserer Arbeit.  Und dort haben wir uns auch schon vernetzt. 

Steckersolar Upcycling-Aktionen

Mit dem Workshop-Format “Steckersolar-Basteln für Alle” gab es in Hohebuch, Denzlingen, Bodman und Freiburg Seminare zum Steckersolar Selbstbau aus gebrauchten Modulen. Die Veranstaltungsreihe wurde finanziert von der Umweltstiftung Baden Württemberg. Die Veranstaltungen waren alle erfolgreich und sehr nachgefragt: 

In einer Projektwoche (Oktober 2025) bauten wir gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern einer 9. Klasse des Wentzinger Gymnasiums Freiburg aus alten, ausrangierten Dach­solarmodulen der Schule über 20 neue Balkonkraftwerke. Die Schülerinnen und Schüler konnten sich so wichtige handwerkliche Fähigkeiten und Wissen über die Energiewende aneignen und ihr selbst gebautes Gerät nach Hause mitnehmen.  

Video: https://www.youtube.com/shorts/rEaQRQEe2yM

Ukraine-Projekte

Im Herbst 2024 verteilte der Balkon.Solar e.V. gemeinsam mit zwei Partnerorganisationen Plug-in-Photovoltaik- und Kleinspeichersysteme (z. B. Balkon-Solaranlagen) in der Ukraine und analysierte zugleich die Situation vor Ort.

Ziel ist, den durch den Krieg verursachten häufigen und langen Stromausfällen mit dezentraler Solarstromversorgung und Batterielösungen zu begegnen. Die Stromversorgung für Strombedarf in Haushalten oder öffentlichen Einrichtungen kann somit sichergestellt werden, ohne auf teure und ggf. nicht vorhandene Diesel-Generatoren angewiesen zu sein. 

Als Pilotmaßnahme wurde u.a. eine Balkon-PV-Installation im Raum Rivne durchgeführt, mit der Erkenntnis, dass die Systeme technisch machbar, rechtlich zulässig und auch in Miet- bzw. Wohnungsbauten umsetzbar sind, unter Beachtung lokaler Vorschriften.

Weiterhin ist eine Installation einer 12-kW-Solaranlage auf der Polizeistation im Bezirk Dubno abgeschlossen. Geplant wurde sie mit lokaler Fachexpertise durch unsere ukrainische Partnerorganisation EcoClub Rivne. Die Anlage soll jährlich bis zu 20.000 kWh erzeugen, damit stabile Arbeitsbedingungen und Energieautonomie auch bei Stromausfällen gewährleistet sind.

Ein weiteres Projekt zur solarbetriebenen Wasserversorgung einer kleinen ukrainischen Gemeinde ist außerdem mit dem Ecoclub geplant. Fördermittelgeber hierfür haben die Elektrizitätswerke Schönau (EWS) zugesagt. 

Damit decken unsere Projekte kurzfristige Notstrombedürfnisse ab (z.B. bei Blackouts) und leisten auch langfristig einen Beitrag zur dezentralen, resilienten und krisenfesten Stromversorgung in der Ukraine, mit Fokus auf einfache, kosteneffiziente und laienbedienbare Technik.

Dabei freuen wir uns, mit dem Ecoclub Rivne für die Installation vor Ort und dem s’Einlädele für den Transport gute Partner gefunden zu haben. Wir sind offen für weitere Projekte und würden uns freuen, wenn mehr Mitglieder die Organisation unterstützen. 

Serviceangebote

Parallel dazu haben wir die Serviceangebote für Balkonsolar-Nutzende auf unserer Website deutlich erweitert. Ziel sämtlicher Angebote und Publikationen ist es, die Hürden für Privatpersonen, ob rechtlicher, technischer oder praktischer Art, möglichst gering zu halten, um die Umsetzung von Balkon- und Kleinsolaranlagen zu erleichtern. Dies gilt gleichermaßen für Einsteiger*innen wie für Nutzer*innen, die ihre Anlagen selbst bauen. Auf diese Weise fördert Balkonsolar nicht nur die Montage von Solaranlagen, sondern auch einen breiten und nutzerfreundlichen Einstieg in die dezentrale Energiegewinnung.

Gerade die Sammlung an Urteilen erfreut sich großer Beliebtheit.

Der Balkon.Solar e.V. hat im Oktober 2025 neue Mustertexte veröffentlicht (z.B. Mustervereinbarung, Musterschreiben an Vermieter*innen, Musterbeschluss für Eigentümerversammlungen), um Mieter*innen und Eigentümer*innen den Weg zu eigenen Steckersolargeräten zu erleichtern. Insbesondere sollen damit bürokratische Hürden beim Einbau in Mehrfamilienhäusern reduziert werden.

In einem Webinar im Oktober 2025 kritisieren wir den Vortrag eines auf Vermieterrecht spezialisierten Juristen, der Wohnungsnutzer*innen vor Balkonkraftwerken warnte. Wir bewerten dessen Darstellungen als überzogen und vielfach praxisfern. Insgesamt werden solche Seminare als wenig hilfreich eingeschätzt und zugleich als kostenintensiv kritisiert. 

Dies ist nicht das einzige Beispiel für praxisfernen Rat von Haus und Grund.

Alle Rechtstexte und Hilfe finden sich auf der Domain: rechtaufsolar.de, die auf eine Übersichtsseite verweist. 

Daneben haben wir eine Reihe praxisbezogener Anleitungen für Selbstbau oder Nachrüstung, unter anderem mit geprüften Werkzeugen, mit denen auch technisch weniger erfahrene Personen Solaranlagen montieren können. Im Test erwies sich eine bestimmte Abisolierzange als besonders gut geeignet: Sie arbeitete schnell, präzise und ohne Beschädigung der Leiter.

Wie etwa hier beim Thema Betonbalkone.

Unser “Selbstbau Magazin“  bieten einen umfassenden Überblick über Steckersolar sowohl in Deutsch als auch Englisch.

Sie decken rechtliche Aspekte, wirtschaftliche Chancen, Montageanleitungen und Hinweise zu Komponenten, Sicherheit und Hausanschluss ab, damit sollen Interessierte eine fundierte Entscheidung treffen können. 

Politik

Natürlich haben wir uns zur Änderung des EnWG geäußert.

Am 30. Juni 2025 richtete der Balkon.Solar e.V, ein Schreiben an Michael Shanks, den britischen Energieminister. Darin bekräftigen wir unsere Unterstützung für die aktuellen UK-Pläne zur Förderung von Plug-In-PV (Balkonsolar) und bieten unsere langjährige Expertise in Regulierung, Standardisierung und Nutzer-Rechten an, um die Einführung von Balkon-Solarstrom in Großbritannien zu begleiten.

Nachdem Michael Shanks sich uns gegenüber nicht dazu geäußert hat und das wohl schon läuft, haben wir ihm unsere Anfrage auch als Brief geschickt. 

Wir haben zudem eine Stellungnahme für das Citizens Energy Package der EU Kommission zusammen mit einer Reihe anderer Organisationen aus ganz Europa eingereicht.

Wir waren im August beim Sommerkongress der französischen Grünen mit einem Infostand zu Steckersolar in der EU: Die deutsche Delegation der Grünen Partei, geleitet von Sven Giegold, hat uns zum französischen Sommerkongress der Grünen in Frankreich eingeladen. Es ist ein großes Festival mit Workshops, Vorträgen und Musik mit etwa 3.000 Teilnehmenden aus Frankreich und der umliegenden Länder. Hier haben wir den Kühlschrank auf einer Außenfläche der Delegation mit Sonnenenergie betrieben und gleichzeitig über die Vorzüge von Steckersolar informiert, zum Beispiel der französischen Spitzenkandidatin Marine Tondelier und weiteren interessierten Personen.

Mehr Wind, Mehr Sonne, Frieden? Die Veranstaltung (September 2025) verband Fragen der Energieversorgung mit geopolitischen und friedenspolitischen Themen, mit Beiträgen zu globalen Zusammenhängen, Krieg, Energie und nachhaltiger Versorgung aus Sonne und Wind. Vortragender war der Landesbeauftragte gegen Anitsemitismus, Dr. Michael Blume. Veranstaltet wurde gemeinsam mit dem Verein Pro Wind Südbaden.

Video: https://www.youtube.com/watch?v=TJSBF-SbRuc&t=1403s

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