Vorab: Wir haben es geschafft und aus 600 alten Solarpanels 300 neue Steckersolargeräte zusammen mit Bürgerinnen und Bürgern gebaut und verteilt. Wie kam es dazu?
Einleitung
Die Badische Zeitung berichtet:
“Freiburg schafft erneut Weltrekord im Steckersolar-Upcycling 300 Stecker-Solar-Systeme sind am Samstag auf dem Schulhof der Weiherhof-Realschule (…) Pünktlich um 10 Uhr eröffneten Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter vom Bundesministerium für Umwelt, Klima- und Naturschutz sowie Freiburg’s Bürgermeister Roland Meder die Aktion des BalkonSolar-Vereins. Dann ging es los: Jeweils 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden innerhalb von 30 Minuten durch den gesamten Prozess des Stecker-Solar-Systems geschleust.”



Dies ist bereits das zweite Mal, dass wir den Weltrekord im Steckersolar Upcycling in Freiburg aufstellen. Im Jahr 2024 haben wir mit 100 Steckersolargeräten begonnen. Dieser Rekord wurde letztes Jahr von Climate Connect gebrochen, die in 5 Städten gleichzeitig mehr Solarpanels verteilt haben (allerdings keine Wechselrichter mitgaben).
Anfang Juni diesen Jahres bekamen wir über die Nova SES, einer Firma, die große Solaranlagen auf Dächern baut, das Angebot, gebrauchte Solarpanels vom Dach der Zahnbürstenfabrik der Interbros in Schönau gespendet zu bekommen. Insgesamt rund 1.200 Stück.
Wir überlegten: Sollen wir diese Panels in “kleinen Workshops” zu je 20 Personen verbasteln oder wäre das nicht eine ideale Chance für eine größere Aktion?

Das Event stand auf der Kippe
Die Stadtverwaltung hatte uns zunächst bei der Ausschreibung zum Solarsommer letztes Jahr darum gebeten, ein Angebot für einen erneuten Steckersolar Upcycling Weltrekord einzureichen. In den weiteren Planungen wurde uns allerdings zunächst deutlich, dass eine solch große Menge an Solarpanels schwierig zu bekommen und zu lagern wäre – wir hatten jetzt 23 Paletten. Schließlich lohnt es sich kaum, die Panels über hunderte Kilometer transportieren zu lassen und auf unbestimmte Zeit zu lagern.
Mit dem Angebot der Nova SES und Interbros zu Beginn des Sommers 2026 änderte sich das Ganze: Es gab nun viele Panels, die bis zu einem Weltrekord dort auf dem Firmengelände bleiben konnten. Also traten wir wieder an die Stadtverwaltung heran und uns wurde signalisiert, dass man sich eine Förderung vorstellen könnte. Gleichzeitig war auch der Wechselrichter-Hersteller Hoymiles wieder interessiert und versprach, 300 Kleinwechselrichter zu sponsern.
Wo ist unser Werkzeug?
Beim Überprüfen unserer Werkzeuge fiel dann auf, dass diese in den vergangenen Jahren bei den unzähligen Veranstaltungen weniger geworden sind. Somit war es eine wichtige Arbeit für uns, die benötigten Werkzeuge für solch eine große Veranstaltung zu bestellen.
Dazu gehören Solar-Multimeter, Crimpzangen, Abisolierzangen, Stromkostenmessgeräte und auch spezielle Solarwerkzeuge zum Öffnen der Verbindungen der Solarkabel. Gerade bei diesen gibt es viele verschiedene, teils passend auf unterschiedliche MC4-Stecker, teils solche, die nur auf die Stecker von diesem einen Hersteller passen. Glücklicherweise kamen die bestellten Solarwerkzeuge von Betterie (mit E!) am Freitag vor dem Weltrekord bei uns an.

Neue Steckersolar-Norm
Uns war klar: Wir wollen beim Upcycling so nah wie möglich an die neue Steckersolar-Norm rankommen, auch wenn das aktuell noch sehr schwierig ist. Immerhin gibt die Norm durchaus einen Sicherheitsstandard vor, von dem man nur mit wichtiger Begründung abweichen sollte.

Auch die Diskussion mit dem Vermieter/der Vermieterin wird natürlich leichter, wenn man so nah an der Norm dran ist, wie es im Moment möglich ist – immerhin haben all die professionellen Anbieter von Steckersolargeräten bis heute auch keine Systeme im Angebot, für die sie die Konformität mit der Norm garantieren – aber versprochen, dass das “bald” kommt. Und solange kann der Vermieter auch kein solches System einfordern.
Die Norm sieht im Wesentlichen vor:
- Wechselrichter mit definierten Abschaltzeiten, von 0,1 Sekunden
- Eine Obergrenze für Einspeisung in Höhe von 800 Watt
- Eine Obergrenze von 960 Watt Peak für die Solarmodul-Leistung
- eine Auslieferung im vorgesteckten Zustand der Kabel
- eine umfassende Bedienungsanleitung
- gleiche Stecker jeweils vom selben Hersteller auf der Gleichstromseite
Vieles davon lässt sich umsetzen: Bei 2 x 245 Wp Solarmodulen und einem 450 Watt Wechselrichter kommt der Nutzende nicht über die festgelegte Obergrenze von 800 Watt für die Einspeisung oder 960 Wp für die Solarpanels.
Die Abschaltzeiten bestimmt der Wechselrichter. Wir haben hier zwar nicht die von der Norm geforderten Einzeltests durchgeführt, wissen aber, dass die Hoymiles Wechselrichter die geforderten Abschaltzeiten in der Regel einhalten. Und wir haben ja eine Maschine, mit der man das messen kann.

Die Kabel bei der Veranstaltung vorgesteckt auszuliefern, ist aus unserer Sicht nicht notwendig, denn die Teilnehmenden bekommen eine Einweisung und wir haben die Systeme am Ende gemeinsam aufgebaut. So sollte allen klar sein, was man wo einstecken muss. Außerdem gibt es eine Aufbauanleitung.
Da es noch keine Muster-Bedienungsanleitung für Steckersolar gibt, diese aber von der Norm gefordert wird, haben wir im Rahmen dieser Veranstaltung eine erstellt. Da es auch noch keine Vorlage für den in der Norm geforderten Aufkleber gibt, haben wir den auch entworfen und allen Teilnehmenden mitgegeben.

Aufkleber und Anleitung stehen unter einer Lizenz, die weitere Nonprofit-Organisationen bei ähnlichen Veranstaltungen nutzen können. Es gibt dazu eine Selbsterklärung über die Einhaltung der Norm bzw. über welche Teile der Norm man die Einhaltung nachweisen kann, da man durch den Zusammenbau der Anlage selbst zum Inverkehrbringer/zur Inverkehrbringerin wird.



Die von der Norm geforderten “gleichen Stecker vom selben Hersteller auf der Gleichstromseite” war nicht einfach umzusetzen. Die Hürde war, dass die Wechselrichter von Hoymiles Betterie BC03a Stecker nutzen, die man zwar in Deutschland bestellen kann, für die es aber keine fertigen Y-Kabel mit diesen Steckern gibt. Also mussten wir diese direkt bei Betterie bzw. ”Wuxi Optoelectronic Materials” in China bestellen. Auch das hat schlussendlich geklappt. Bestellungen scheint man in China am liebsten per WhatsApp abzuwickeln.
Weiteres Material
Im Rahmen des Steckersolar-Upcycling-Weltrekords wurde weiteres Material von uns erstellt bzw. überarbeitet:





Unser Anleitungszettel für die Teilnehmenden mit Infos zu Ablauf, Crimpen, Module-Testen und Anschluss. Gerade das Thema Parallelanschluss und Y-Kabel ist für viele neu.
Wir haben bei unseren Flyern und Postern darauf geachtet, nicht ausschließlich alte weiße Männer beim Basteln zu zeigen, sondern haben uns bewusst entschieden, Frauen zu zeigen. In diesem Zusammenhang haben wir Bilder von Frauen beim Solarbasteln gesammelt und unter offener Lizenz veröffentlicht.
Zusammen mit den Grünen und Rechtsanwalt Sebastian Lange haben wir außerdem einen Mustertext für den Haftungsausschluss für solche Events erarbeitet.



Der Tag des Weltrekords
Die Vorbereitung gestaltete sich manchmal etwas schwierig. Beim Gebäudemanagement der Stadt Freiburg war man zum Beispiel erstmal nicht sonderlich begeistert, die Veranstaltung auf einen Schulhof durchzuführen. Uns wurde der Rathausplatz vorgeschlagen, wo auch schon der erste Weltrekord von uns im Jahr 2024 stattfand – was aber aufgrund der Förderrichtlinien nicht ging.
Speditionen möchten am liebsten, wenn man bei ihnen anruft. Wir hatten allerdings einen sehr kompetenten LKW-Fahrer bekommen, der sich auch von unterschiedlich großen Paletten beim Laden nicht aus der Ruhe bringen ließ.
Auch das Abstellen von Solarpanels auf einem Schulhof auf Paletten scheint zumindest über Nacht ohne Probleme möglich zu sein.

Am Samstag Vormittag haben wir früh mit den Aufbauarbeiten begonnen. Gegen 9:50 war das meiste mehr oder weniger fertig, die Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter kam und hat zusammen mit dem ersten Bürgermeister der Stadt Freiburg die Veranstaltung eröffnet, sich alle Stationen zeigen lassen und wir haben ihnen die gegenwärtigen Herausforderungen bei Steckersolar erläutert.
Danach wurden die ersten Wechselrichter an Teilnehmende ausgegeben, Module verteilt, gewaschen, getestet, mit neuen Steckern versehen und einmal zum Test das ganze System aufgebaut. Erstaunlicherweise hatten wir von den 575 Solarpanels nur etwa 10, die wir nicht verwendet haben und erstmal als defekt klassifiziert wurden. Das entspricht unseren Erfahrungswerten von 10 Prozent Ausschuss. Wenn man die genauer anschaut, Kabel tauscht oder auch die Fuse-Box aufschraubt und ggf. Dioden tauscht, lassen sie sich vielleicht noch reparieren. Nur eines wies einen Transportschaden auf.

Beim Test und Anbringen neuer Stecker und beim finalen Aufbau des Systems hatten wir jeweils erfahrene Helfer vor Ort, die bereits bei vorherigen Steckersolar-Upcycling-Workshops Erfahrung gesammelt hatten. Im Rahmen der kleineren, vorherigen Veranstaltungen kann man den Teilnehmenden das Testen, Stecker anbringen etc. gut einzeln beibringen. Bei diesem Weltrekord, bei dem alle 30 Minuten mindestens 20 Personen ankommen und größtenteils Unterstützung benötigen, ist das nicht unbedingt gewährleistet. Daher waren wir sehr froh um unsere versierten Helferinnen und Helfer.
Eine Frau brachte ihr eigenes Solarpanel mit und ließ sich daran neue Stecker anbringen.
Die meisten Menschen kamen nicht alleine, sondern haben jemanden zum Basteln oder anschließenden Transport mitgebracht.
Um 17:30 Uhr kamen die letzten angemeldeten Teilnehmenden und nahezu gleichzeitig die Menschen von der Warteliste. Etwa gegen 17:45 waren dann die 300 Steckersolargeräte fertig gebaut und es ging an die Verteilung der restlichen Module und der übriggebliebenen Wechselrichter an die Menschen von der Warteliste.


Da wir nach teils auch missverständlichen Medienankündigungen über die Veranstaltung noch über 80 Menschen auf unserer Warteliste hatten, haben wir diese gebeten, am Ende der Veranstaltung zu kommen, um ggf. übrig gebliebene Solargeräte von denjenigen zu übernehmen, die ihren Termin versäumt hatten.
Etwa 35 Menschen sind noch auf gut Glück vorbeigekommen. Da nur sehr wenige angemeldete Teilnehmende nicht gekommen waren, konnten wir den wenigsten dieser spontanen Menschen ein volles Steckersolarsystem mit Wechselrichter übergeben.
Wir hatten noch ausreichend Solarpanels übrig und diese verschenkt. Das hat den Vorteil, dass wir weniger zurücktransportieren müssen. Ca. 10 Prozent der Panels, die an der Steckertausch-Station bearbeitet wurden – nicht alle brauchten neue Stecker und wurde da bearbeitet – hatten stark korrodierte Stecker. Das heißt, dass selbst im Werk vercrimpte Stecker anscheinend Feuchtigkeit durchlassen, was nach 12 Jahren zu Korrosion im Anschlusskabel führen kann.


Manche haben ein Lastenrad verwendet, andere ihr Cabrio zum Abtransport der fertigen Solarmodule

Was man anders machen könnte
Es ist wahrscheinlich eine Frage, die alle anders beantworten: Will man es sehr geordnet haben oder findet man es gut und eine schöne Stimmung, wenn sehr viele Menschen gleichzeitig auf einem Platz sind und wuselig gebaut wird. Oder ob das ganze sehr strukturiert ablaufen soll, etwa mit Laufkarten.
- Modulabmessungen und Transportbedarf sollten vorab anschaulich dargestellt werden.
- Es kann sinnvoll sein, Teilnehmende aufzufordern, Fotos des geplanten Montageortes mitzubringen, besonders des Balkongeländers.
- Die Ausgabe der Module erfolgt am besten durch Helfende
- Defekte Module müssen deutlich gekennzeichnet werden.
- Ggf. Module und Wechselrichter mit Namen beschriften lassen.
- Es ist sinnvoll, mehrere geeignete, getrennt abgesicherte Stromkreise vor Ort zu haben oder zu wissen, wo man den FI wieder einschalten kann. FIs an Schulen scheinen besonders empfindlich zu sein.
- Man hätte vorher einen Testaufbau mit diesem Wechselrichter-Typ machen sollen. Dann hätte man gemerkt, dass er unter Umständen 15 min braucht, bis er sich auf das Stromnetz synchronisiert und einspeist.
Selber nachbauen
Dafür haben wir Anleitungen auf unserer Homepage: https://balkon.solar/balkonkraftwerk-selbst-bauen/
Material
Auslobung des Weltrekords: https://balkon.solar/news/2026/06/26/weltrekord-2026/

Hi,
falls ihr es noch ändern könnt.
Unter 7. Abtransport. Auf dem Bild ganz links: das ist der Abtransport via Bollerwagen.
Hat hervorragend funktioniert 😉