In Berlin tut sich was, während die großen kommunalen Berliner Vermieter bisher eher für ihre Verhinderungs-Auflagen bekannt waren (so wehrst du dich), gibt es nun ein cleveres Projekt, bei dem Mieter Steckersolar Geräte geschenkt bekommen.
Ausgerechnet noch-Senatorin Franziska Giffey und die Bezirksbürgermeisterin von Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg Clara Herrmann haben zusammen mit dem Gewobag-Vorstand Markus Terboven zwei Projekte vorgestellt, die Hürden für die Installation von Balkonkraftwerken in Berlin abbauen sollen!

In der westdeutschen Platte “Neues Kreuzberger Zentrum”, am Kottbusser Tor in Berlin-Kreuzberg, erhalten 60 Mieterinnen und Mieter im Rahmen eines vom Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg gemeinsam mit der Gewobag initiierten Praxisprojekts kostenlos ein Balkonkraftwerk, um eigenen Solarstrom zu erzeugen.
Außerdem finanziert die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe einen Lösungsbaukasten für Wohnungsunternehmen, mit dem deren Mitarbeiter unterstützt werden sollen, ihre Genehmigungsprozesse für Mieter zu vereinfachen. Dafür sollen technische und rechtliche Informationen sowie Prozessvorschläge gebündelt und anwendungsorientiert aufbereitet werden.
Entwickelt und umgesetzt werden beide Projekte von PLAN B 2030 e.V.. Der Verein treibt seit 3.5 Jahren mit dem Projekt “Solar Power to the People” die Solarwende für Mieterinnen mit Balkonkraftwerken voran. Beim Kottbusser Tor entwickelt das Team die Ansprache der Mieter:innen und ein Solarbotschafterprogramm: geplant sind Schulungen für Mieter*innen, die ihren Nachbar*innen bei der Installation helfen sollen, um die Kosten zu senken. Der Ansatz knüpft an ein gemeinsames Projekt des Vereins mit der Degewo und des Bezirksamts am Halleschen Ufer an.
Wir haben dazu Plan B 2030s Geschäftsführende Vorständin, Lu Yen Roloff, interviewt.

Frage 1: Bisher sind die Berliner kommunalen Wohnungsbaugesellschaften bei Steckersolar vor allem durch umfangreiche und teure Verhinderungsauflagen aufgefallen. Ändert sich das jetzt?
Roloff: Ja, wir sehen tatsächlich Bewegung. Die Gewobag und die degewo sind inzwischen bereit, gemeinsam mit uns praktische Lösungen zu entwickeln und Balkonkraftwerke als Teil ihrer Solarstrategien anzugehen. Außerdem gibt es, angestoßen durch unsere Workshopreihe eine Steuerungsgruppe der landeseigenen Wohnungsunternehmen, ihre Genehmigungsverfahren zu vereinheitlichen. Das sind beides wichtige Fortschritte.
Aber wir sind noch lange nicht am Ziel. Bislang wurden bei den sechs landeseigenen Wohnungsunternehmen innerhalb von zwei Jahren gerade einmal 98 Balkonkraftwerke genehmigt – bei rund 360.000 Wohnungen. Das zeigt, wie groß der Handlungsbedarf ist.
Mit unseren Pilotprojekten wollen wir die laufenden Prozesse beschleunigen: Wir sehen viel Potenzial in der der Bündelung von Vorgängen wie etwa der proaktiven Information eines ganzen Hauses, einer zentralen Bestellung, gebündelten Genehmigungen und der gemeinschaftliche Installation der Balkonkraftwerke und dem Aufbau von kundigen Ehrenamtlichen.
Am Ende soll die Solaraustattung von Balkonen für alle Beteiligten einfacher und günstiger werden. Ziel ist natürlich, dass diese Lösungen nicht auf einzelne Modellprojekte beschränkt bleiben, sondern von den Landeseigenen Wohnungsunternehmen aufgegriffen und zum Standard gemacht werden, und dann für alle ihre Mieterinnen und Mieter zugänglich werden.
Frage 2: Wie kam es denn zu diesem Projekt?
Roloff: Wir beraten seit mehreren Jahren Berliner Mieterinnen und Mieter zu Balkonkraftwerken. Dabei haben wir festgestellt, dass nicht die Technik das größte Hindernis ist, sondern die Genehmigungsverfahren der Vermieter.
Deshalb haben wir angefangen, in Kooperation mit dem Solarzentrum Berlin mit den landeseigenen Wohnungsunternehmen an einfacheren Lösungen zu arbeiten. Daraus ist zunächst unser vom Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg finanzierte Modellprojekt mit der degewo am Halleschen Ufer entstanden, bei dem 18 Haushalte mit kostenlosen Balkonkraftwerken ausgestattet wurden.
Das Projekt am Kottbusser Tor ist der nächste Schritt. Hier arbeiten wir mit dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg und der Gewobag zusammen, um 60 Haushalten kostenlosen Solarstrom vom eigenen Balkon zu ermöglichen.
Uns geht es dabei um mehr als 60 Anlagen. Wir wollen herausfinden, wie wir Mieterinnen in Bewerbung und die Installation einbeziehen können, damit solche Projekte so einfach und kostengünstig wie möglich werden und anschließend in ganz Berlin funktionieren.
Frage 3: Um mal auf ganz Berlin zu schauen: Was müsste ein neuer Senat jetzt tun, um möglichst schnell die Hürden überall abzubauen?
Roloff: Erstens brauchen wir einheitliche, einfache Genehmigungsverfahren für alle sechs landeseigenen Wohnungsunternehmen. Es kann nicht sein, dass Mieterinnen und Mieter je nach Vermieter völlig unterschiedliche Anforderungen erfüllen müssen und die Mitarbeiterinnen in den Wohnungsunternehmen mit einzelnen Anfragen 2-6 Stunden verbringen müssen. Dafür müssen die Unternehmen Kapazitäten aufbauen. Unnötige und teure Auflagen müssen weg. Seit 2024 haben Mieterinnen und Mieter grundsätzlich einen gesetzlichen Anspruch auf die Erlaubnis für Steckersolargeräte. Die Sicherheitsanforderungen müssen verhältnismäßig und technisch begründet sein. Da wird unser Lösungsbaukasten hoffentlich helfen.
Und zweitens brauchen wir eine soziale Energiewende. Gerade Haushalte mit wenig Geld sollten die Möglichkeit bekommen, ihre Stromkosten durch eigene Solarenergie zu senken. Dafür wäre eine Wiederaufnahme der Förderung zum Beispiel von Solar plus Speichern hilfreich, oder eine Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit, die sozial schwachen Haushalten die Energiekosten erstattet.
Drittens braucht es auch mehr Ambition, insbesondere die Mehrfachausstattung von größeren Siedlungen im Besitz der landeseigenen Wohnungsunternehmen anzugehen, um Skalierungseffekte zu heben.
Warum nicht messbare Ausbauziele für Balkonsolaranlagen festlegen und deren Umsetzung jährlich gegenüber den Aufsichtsräten und dem Senat nachweisen? Dann könnten Sammelbestellungen und gebündelte Prozesse dazu führen, dass nicht mehr 60, sondern 600 Balkonkraftwerke auf einen Schlag installiert werden könnten. Das Potenzial sind allein bei der Gewobag 35.000 geeignete Balkone. Die sollen alle Solarstrom produzieren!
