Interview Badische Zeitung, oder so

Die Badische Zeitung hat uns für einen Artikel befragt, der heute erschien. Leider nur ein kleiner Kasten, der auch nicht auf der Website zu finden ist. Da wir die Antworten aber sehr spannend finden, wollen wir die euch nicht vorenthalten.

Sehen Sie einen Unterschied zwischen der Energiegewinnung dieses Jahr und der Energiegewinnung der letzten Jahre?

Simone Herpich (Vorsitzende Balkonsolar e.V): Auch dieses Jahr nahm die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien weiter zu. Hierzu sei auf die Daten der vom ISE in Freiburg betriebenen Website Energy Charts verwiesen: In der KW 29 waren 2025 61,7 Prozent  des Stroms aus erneuerbaren Energien, dieses Jahr bereits 68,1 Prozent, und das trotz Hitzewelle
Dabei wird nur der Strom gezählt, der auch über angemeldete Anlagen über das öffentliche Stromnetz geleitet wird. Wenn jemand zu Hause einen Stromspeicher volllädt und das direkt oder später verbraucht,  dann kommt das in dieser Statistik gar nicht vor. Auch das dürfte zugenommen haben in diesem Jahr.
Trotz der intensiven Bemühungen der gegenwärtigen Bundesregierung, uns weiterhin abhängig zu machen von fossilen Energien, bauen clevere Bürger:innen und Unternehmer:innen weiterhin Solaranlagen auf ihre Dächer und Balkone. Sollte das neue EEG sinnvoll gestaltet werden, dann geht auch der Windkraftausbau weiter.

Sebastian Müller und Simone Herpich, Vorstand BalkonSolar eV

Können Sie sich vorstellen, dass die Hitze der vergangenen Wochen einen Einfluss auf die Energiegewinnung hatte?

Simone Herpich (Vorsitzende  Balkonsolar e.V.): Auf jeden Fall. Alleine in unserem Nachbarland Frankreich konnten viele Atomkraftwerke nicht mehr laufen, da die Flüsse zu wenig und zu warmes Wasser geführt haben. Dadurch war eine Kühlung der Brennstäbe nicht mehr möglich und sie mussten abgeschaltet werden. Der Strom aus der Sonne ist da zuverlässiger. Trotzdem muss man sagen, dass die Effizienz leicht abnimmt bei sehr hohen Temperaturen. Die Nennleistung von Solarmodulen wird im Labor, unter den sogenannten Standard Test Conditions, (STC) bei exakt 25 °C Zelltemperatur gemessen. Steigt die Temperatur des Solarmoduls bzw. der Zelle darüber hinaus, sinkt die Leistung pro weiterem Grad Celsius um ca 0,4%.

Übrigens sollte auch der Kleinwechselrichter des Steckersolargerätes nicht in der Sonne liegen und es ist besser, wenn etwas Luft hinter dem Solarmodul zirkulieren kann, damit es sich nicht unnötig aufheizt.

Für die Energieerzeugung spielen allerdings die längeren Tage und der höhere Sonnenstand eine wichtigere Rolle. An besonders heißen Tagen ist meistens eine geringe Wolkendecke   vorhanden. Für die Erzeugung von Solarstrom ist es wichtiger, ob die Sonnenstrahlen ungehindert auf das Solarmodul gelangen, die Temperatur spielt eine untergeordnete Rolle.

Während der Hitzewelle zwischen dem 18. und 28. Juni war die Erzeugung von Solarstrom besonders hoch.

Stichwort Energiewende: Wie ist es möglich, die vielen Sonnenstunden und hohen Temperaturen noch sinnvoller zu nutzen?

Sebastian Müller (Vorstand Balkon Solar e.V.): Die hohen Temperaturen können wir erstmal nicht sinnvoll nutzen, den Sonnenschein kann man aber nutzen, um Strom zu erzeugen und damit kann man eine Klimaanlage betreiben und die Wohnung kühlen.

Ist Solarthermie sinnvoller bei der Hitze?

Sebastian Müller (Vorstand BalkonSaal e.V.): Solarthermie, also die Erzeugung von heißem Wasser aus Sonnenlicht, hat bei großer Hitze ein Problem: Ich brauche kaum warmes Wasser, aber meine Solarthermieanlage erzeugt sehr viel Warmwasser, dass dann weiterhin gepumpt werden muss, damit Leitungen und Kollektor nicht beschädigt werden.

Ob neue Solarthermie-Anlagen überhaupt noch sinnvoll sind, ist aus meiner Sicht unklar. Denn ich kann inzwischen sehr günstig Strom-Solarpanels auf das Dach montieren und mit einem Kabel mit einem Heizstab im Warmwasserspeicher verbinden. Das ist von den Investitionskosten günstig und so kann ich mit Strom auch warmes Wasser machen. Wenn  das Wasser dann heiß ist, kann man ggf. den Strom auch über einen Wechselrichter einspeisen.

Gibt es etwas, das Einzelne tun können, um die Energie sinnvoll zu nutzen?

Sebastian Müller (Vorstand BalkonSoalr e.V.): Um die Energie der Sonne sinnvoll zu nutzen, kann jeder von uns ein Steckersolargerät betreiben, egal ob am Balkon, dem Dach, der Terrasse oder an einem Zaun. 

Damit kann man die Energie der Sonne, die sonst ungenutzt auf die Erde fällt, in elektrischen Strom umwandeln. In Deutschland hat man auf so ein Steckersolargerät als Mieter ein gesetzliches Recht (§ 554 BGB) und auch die WEG muss entsprechende Beschlüsse fassen. Das lohnt sich finanziell nahezu immer. Mit einer kleinen Batterie kann man den nicht verbrauchten Strom dann selbst in den Abendstunden nutzen, auch das lohnt sich in der Regel.

Wer das ganze mal ausprobieren will, der kommt am 26.9.26 zu unserem Weltrekordversuch und baut aus gebrauchten Solarpanels und neuen Kleinwechselrichtern ein neues Steckersolargerät. Anmeldung über unsere Website https://balkon.solar/weltrekord2026

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