Wir haben rumgefragt und Joseph Bergner von der HTW in Berlin hat uns geantwortet und mit uns gerechnet. Denn, immer mal wieder kommt die Frage auf, ob sich zurzeit ein Steckerspeicher ohne Solar aber zusammen mit einem dynamischen Stromtarif, wie tibber oder von Green Planet Energy lohnt. Daher: Fahre ich damit über Jahre günstiger als mit einem festen Tarif und keiner Batterie?
Zunächst gilt zu beachten: Auch wenn der Börsenstrompreis 0 Cent/kWh beträgt – Die Netzentgelte und Steuern fallen dennoch an. Diese betragen mitunter 15 bis 20 Cent pro Kilowattstunde und sind für den Strom aus dem eigenen Solargerät oder der Solaranlage nicht zu zahlen.
Steckersolargerät ohne Speicher
| Steckersolargerät | Bemerkung | |
| Investitionskosten | 400 EUR | geht auch billiger |
| Jährlicher Verbrauch | 2000 bis 2600 kWh | 2 Personen Haushalt |
| Einsparung im Jahr | 300 bis 400 kWh | 800 Wp Steckersolargerät (zwei Solarpannels) Ca 50% des Stroms selbst genutzt. |
| Jährliche Einsparungen | 100 EUR bis 130 EUR | Strompreis 33 ct/kWh |
| Amortisation | 3 bis 4 Jahre | Investition geteilt durch jährliche Einsparung. |
Diese Variante lohnt sich auf jeden Fall. Kann auch jeder für sich nachrechnen mit dem HTW Steckersolar Simulator.
Steckersolargerät mit Speicher
| Steckersolargerät mit Speicher | Bemerkung | |
| Investitionskosten | 650 EUR realistisch 1000 bis 1500 EUR | Sehr günstig gerechnet, der Zendure mit Halterung liegt (am 8.4206) bei 658 EUR ohne Messgerät im Sicherungskasten. Preise können sich immer ändern. |
| Jährlicher Verbrauch | 2000 bis 2600 kWh | 2 Personen Haushalt |
| Einsparung im Jahr | 600 bis 700 kWh | 800 Wp Steckersolargerät (zwei Solarpannels) |
| Jährliche Einsparungen | 200 EUR bis 230 EUR | Strompreis 33 ct/kWh |
| Amortisation | 3 bis 4 Jahre | Investition geteilt durch jährliche Einsparung. |
Auch hier kann man sagen, diese Variante lohnt sich und kann ebenfalls einfach nachgerechnet werden mit dem HTW Steckersolar Simulator.
Nur Steckerspeicher kein Solar mit „geschenktem“ Strom?
Etwas komplexer wird es mit dynamischen Tarifen. Unter der Annahme, dass der Netzstrom geschenkt ist und der Speicher keine Verluste hat, spart man den Großhandelspreis. Die Netzentgelte und Steuern fallen dennoch an. Die Marge des Anbieters zahlt man in der Regel über die Grundgebühren. Bei Tibber sind dies beispielsweise 6 € pro Monat – bei Green Planet Energy knapp 2 € – die man dem Strompreis zuschlagen muss.
| Steckersolargerät mit Speicher | Bemerkung | |
| Investitionskosten | 1300 € | |
| Jährlicher Verbrauch | 2000 bis 2600 kWh | 2 Personen Haushalt |
| Spezifische Einsparungen | 5 bis 14 ct/kWh | (33 ct / kWh – (NE+MWst)) – (Jährliche Grundgebühr / Jährlichem Verbrauch) |
| Jährliche Einsparungen | 100 EUR bis 390 EUR | spezifische Einsparung multipliziert mit jährlichem Verbrauch |
| Amortisation | 3 bis 13 Jahre | Investition geteilt durch jährliche Einsparung. |
Geschenkter Strom ist selten!
Laut SMARD waren die Großhandelspreise 2025 an 101 Tagen negativ. Dies würde für knapp ein Drittel des Jahres rabattierten Strom ermöglichen. Mit realistischen Umwandlungsverlusten können jedoch nur 80% Einsparungen erzielt werden. Eine realistische Kosteneinsparung ist somit eher zwischen 30 und 150 Euro zu suchen, was die Amortisationseinschätzung auf 8 bis 40 Jahre verlängert.

Die zusätzliche Nutzung von zeitvariabler Netzentgelten kann sich hingegen positiv auswirken (§14a-Modul-3 Energiewirtschaftsgesetz). Wenn man bereits eine Wallbox oder eine Wärmepumpe installiert hat, kann man diesen nutzen. Es dürfte sich nicht lohnen, eine Wallbox dafür anbringen zu lassen. Laut ADAC lägen die Kosten dafür zwischen 500 bis 3000 Euro.
Nun hängt es vom Verteilnetzbetreiber ab, wie dieser ausgestaltet ist.

Beispielsweise ist es möglich bei der NetzeBW in drei von vier Quartalen die Netzentgelte um 5 ct/kWh zu reduzieren, wenn der Strom mittags verbraucht wird. Dies korreliert gut mit günstigen Großhandelspreisen – ist nur wenig sinnvoll, wenn bereits eine eigene PV-Anlage zur Verfügung steht.
Die meisten anderen Netzbetreiber reizen eine Auslastung der Netze in der Nacht an. Bei Bayernwerk und Westnetz ist der Rabatt mitunter 8 bis zu 10 ct/kWh. Ob zu diesem Zeitpunkt noch Ökostrom in den Speicher fließt, bleibt zu hoffen und spiegelt sich u.A. im Großhandelspreis wieder. Wann der Großhandelspreis gering ist, ist von der Windeinspeisung abhängig und somit a) schlechter vorhersehbar und b) definitiv nicht im Tagesrhythmus, wie der Solaranlage, verfügbar.
Fazit: ein Steckerspeicher ohne Solar lohnt sich derzeit nicht.
Bereits unter optimistischen Annahmen (keine Kosten für Stromeinkauf, keine Speicherverluste) ist keine Solaranlage fast immer die teuerste Variante. Unter realistischen Annahmen zerplatzt der Traum des Mini-Netzspeichers schnell: Hier ist das Steckersolargerät immer günstiger!
Vielversprechend sind die zeitvariablen Netzentgelte: Es bleibt jedoch offen, wie diese in den kommenden Jahren ausgestaltet werden. Hierbei ist das Zusammenspiel von Großhandel und Netzentgelten mitunter komplex. Die dynamischen Tarife können dann unterschiedliche Signale geben, sodass heute bestehende Anreize wegfallen würden.

Dabei ist zu beachten, dass man bei Solar-Batteriegeräten bereits heute zusätzlich Netzstrom zwischenspeichern könnte und somit günstigen Solarstrom und Netzstrom nutzen kann.
Was in der Theorie plausibel klingt, ist praktisch kaum möglich, denn: Der günstige Netzstrom fällt, meist auch die Zeit ist, bei der die Solaranlage oder das Steckersolargerät viel Strom produzieren. In stürmischen Zeiten kann dies aber eine spannende zusätzliche Option darstellen.An dieser Stelle bleibt jedoch weiterhin eine Empfehlung für das Steckersolargerät.
