Wir informieren uns derzeit intensiv über die Auswirkungen der neuen Steckersolar Norm. Leider fehlt das FAQ oder der Anwendungshinweis des VDE bisher und soll auch erst Mitte Dezember kommen. Etwas seltsam ist das Vorgehen schon, die Norm vor Erscheinen des FAQ und Anwendungshinweise in Kraft treten zu lassen.
BalkonSolar hatte den Vorsitzenden des DKE/AK 373.0.4 Steckerfertige PV-Systeme eingeladen, um sich und anderen aus der BalkonSolar-Szene die Norm erklären zu lassen.
Vorgeschichte
Laukamp fasste noch mal zusammen, wie wir zur Norm gekommen sind, es sei ein langer Prozess gewesen, bis es soweit möglich gewesen sei, auch alle zu überzeugen, dass eine Verwendung des Schukosteckers möglich sei. Grundsätzlich gehe die Norm davon aus, dass es sich um Haushaltsgeräte handele und kein Industrieprodukt und daher keine Installation durch Fachkräfte vorgesehen sei. Aus diesem Grund habe der Arbeitskreis bzw. das Gremium viel Gewicht auf die gute Dokumentation und Bedienungsanleitung gelegt.
Zielgruppe für die Norm sei nicht der Endanwender, sondern Hersteller und Prüfinstitute, die dann Pakete aus Solarpanels, Kleinwechselrichter, Kabeln und Halterungen gegen die Norm prüfen (lassen) könnten. Thematisch sei die Norm breit angelegt, es geht von der elektrischen Sicherheit bis hin zur Montage am Gebäude.
Zudem führe Steckersolar zu Wechselwirkungen mit der Hausinstallation, daher würde der Leitungsschutz gewissermaßen umgangen und die Installation Sicherheit sei stets mitzudenken. Auch die systemische Wirkung sei stets mitzudenken, immerhin seien inzwischen über 1 Mi Stecker Solargeräte im Einsatz in Deutschland.

Bis 2017 sei in den Normen die Einspeisung über eine Endstromkreis nicht vorgesehen gewesen. Zunächst habe man national in Deutschland eine Lösung dafür gefunden, die durch die aktuelle Norm deutlich modifiziert worden sei. Problem sei aber, dass unter Umständen der Leitungsschutz und FI-Schutz umgangen werden könnte durch die Einspeisung im Endstromkreis. So könnte unter Umständen in Teilen der Installation die Summer der Ströme mehr als 16 Ampere betragen. Wobei der Leitungsschutz für 16 Ampere + 13 % ausgelegt sei.
Problematisch sei weiterhin, dass es eben ein sehr heterogene Installationswelt gäbe, zwischen Installationen von 1920er mit Stoffisolierten Leitungen mit trägen Schmelzsicherungen bis Neubauten von heute.
Man habe dann sowohl beim PI Institut in Berlin 2017 als auch durch die HTW 2025 Studien machen lassen und auch die unterschiedlichen Gefahren zu ergründen. Problem sei neben der Erwärmung der Leitung auf bis zu 150 °C, unter allerdings sehr unwahrscheinlichen Umständen, auch Kontaktstellen. Es könnte Verluste bzw. erhöhte Wiederstände an Kontaktstellen geben, dies führe zu mehr Oxidation und die führe wiederum zu mehr Hitze und Oxidation. Da könne auch in wenigen Jahren bis zu 1000 °C erreicht werden.
Man blieb deshalb als Obergrenze für die maximale Erzeugung bei 800 W + 20% um möglichen neuen Solarpanels nicht im Weg zu stehen. Wobei die erhöhte Brandwahrscheinlichkeit minimal sei: 800 W = 18.000 Brände, bei 2000 W 18.030 Brände. Dennoch wolle man das Risiko nicht eingehen.
Zur Norm
Er führte dann weiter aus: Die Anwendung von Normen ist grundsätzlich freiwillig. Rechtsverbindlich werden Normen erst, wenn in Gesetzen oder Verordnungen oder EU Richtlinien diese gefordert werden. Im Alltag, da dokumentiere die Norm einfach den Stand der anerkannten Regeln der Technik. Auch die Vornorm gilt schon als anerkannte Regel der Technik, sie müsse dann innerhalb von drei Jahren in eine endgültige Norm umgewandelt werden.
Neben der Produktnorm bewege man sich auch im Umfeld zahlreicher anderer Normen, etwa der Nezanschlussnorm VDE-AR-N-4105, der Installationsnorm VDE 0100-551-1 oder der für spezielle Steckvorrichtungen bzw. der für Stecker DIN VDE V 06218-1 deren Schutzziel eben auch mit der in der Vornorm eingeführten Maßnahmen erreicht werden könnte.
Was nun Spezielle Energiesteckvorichtung im Sinne der Steckersolarnorm bedeuten würde, sei nicht klar, diese Formulierung sei eines der Ergebnisse der Schlichtung.
Inhalt der Norm seien Dinge wie die Sicherheitsanforderungen und die Prüfung, es ginge nur um eine Einphasige Einspeisung, dreiphasig wie angedacht sei nicht Gegenstand der Norm, die 800 VA als Grenze für unregulierten Bereich und PV Anlagen die mehr erreichen, dafür sei die VDE 0100-712 zuständig. Nicht abgedeckt sei eben ein Speicher. Das habe man bewusst aus der Norm raus gelassen, weil ja schon die Norm jetzt so viel Zeit gebraucht habe.

Ausblick
Im nächsten Jahr wird der K 373 Arbeitskreis 04 mit der Überarbeitug beginnen, darin sollen Speicher enthalten sein und auch die ÜBerwachung der aktuellen Belastung im Endstromkreis, dann kann man mit höheren Leistungen als 800 VA einspeisen. Er gehe davon aus, dass die Norm für Speicher ca 3 Jahre dauern wird.
Zudem soll die Novellle des AR-N-4105, daher der Anschlussnom im kommenden Jahr kommen.
Klarstellung Schutzzweck
Die definierte Abschaltzeit und ihr Nachweis, so wurde wieder mal deutlich, dient dem Schutz des Anwenders vor einem elektrischen Schlag – sie dient jedoch nicht dem Schutz der Leitung vor Überhitzung oder Brand. Dies Schutz vor Brand wird durch die Begrenzung des maximalen Einspeisestroms durch Größe des Wechselsrichters (800VA) und Größe der angeschlossenen Solarleistung (960Wp) erreicht.

Fragen und Diskussion
Nach dem Vortrag gab es dann Fragen und natürlich auch die üblichen Unmutsbezeugungen gegenüber der Norm.
- Einer der Teilnehmer bemerkte, dass wenn man realistische Lastprofile annehme, dann gäbe es zwischen 600/800Wp und 2000Wp keinen Unterschied. Antwort war, dass das Normungskomitee die Installation nicht kennen und deshalb den schlechtesten Fall annehme.
- Es wurde auch über die mangelnde Datengrundlage für Gefahren aus Kreuzverbau diskutiert.
- Daneben gab es auch die Befürchtung, das nun Vermieter die Norm einfordern werden, obwohl es keine entsprechend zertifizierten Geräte gibt.
- Die Norm definiert nicht was sie als Hersteller versteht. Das sei in Gesetzen unterschiedlich definiert.
- Nur der Wieland Stecker erlaubt über 960 Wp zu gehen.
